Architekturobjekte
Heinze ArchitekturAWARD 2025: Teilnehmer
Suffizienzhaus U10
34119 Kassel, Uhlandstraße 10
Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: foundation 5+ architekten BDA
Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: foundation 5+ architekten BDA
Basisdaten zum Objekt
Lage des Objektes
Uhlandstraße 10, 34119 Kassel, Deutschland
Objektkategorie
Objektart
Art der Baumaßnahme
Neubau
Fertigstellungstermin
09.2024
Zeichnungen und Unterlagen
Projektbeteiligte Firmen und Personen
Verwendete Produkte
Gebäudedaten
Bauweise
Holzbau
Tragwerkskonstruktion
Holz
Anzahl der Vollgeschosse
3- bis 5-geschossig
Raummaße und Flächen
Bruttorauminhalt
2.025 m³
Bruttogrundfläche
655 m²
Nutzfläche
683 m²
Verkehrsfläche
72 m²
Wohnfläche
611 m²
Grundstücksgröße
356 m²
Kosten
Veranschlagte Rohbaukosten des Bauwerks
672.000 Euro
Gesamtkosten der Maßnahme (ohne Grundstück)
1.653.000 Euro
Lage und Umgebung
Beschreibung
Objektbeschreibung
Die Baugemeinschaft U10 hat zusammen mit foundation 5+ architekten ein fünfgeschossiges Wohnhaus als Holzmassivbau in der letzten Baulücke am Rand des Martini-Quartiers in Kassel gebaut. Durch die drei Nachhaltigkeitsstrategien reduce – reuse – recycle entsteht ein suffizientes, ressourcenschonendes und kostengünstiges Gebäude zum gemeinschaftlichen Wohnen.
REDUCE - Durch eine einfache Massivholzkonstruktion mit wirtschaftlichen Spannweiten und einfacher Kubatur, den Einsatz von Low-Tech-Haustechnik und nur einem zentralem Erschließungsstrang, einer einfachen Grundrissstruktur, die dennoch eine flexible Aufteilung in mehrere Wohnbereiche ermöglicht, wird „Reduce“ als Architekturkonzept umgesetzt. Das Treppenhaus wird durch eine außenliegende Stahltreppe ersetzt. Weitere Bausteine sind gemeinschaftliche Nutzungen wie Abstellräume, Waschmaschinenraum, Gästezimmer, Werkstatt, Dachterrasse, Garten sowie Carsharing. Solarthermie und Regenwasseranlage unterstützen das Gebäudekonzept in der technischen Ausstattung.
RECYCLE - Bei der Konstruktion wurden Materialien verwendet, die möglichst ressourcenschonend, CO₂-reduziert und vorzugsweise nachwachsend sind. Massivholzelemente kamen für Wände, Decken und Dach ab der Decke des Erdgeschosses zum Einsatz. Nichttragende Innenwände sind in Holzständerbauweise mit Holzfaserdämmung erstellt. Für die Bodenbeläge wurde Massivholz gewählt und das Dach ist mit Holzweichfaser gedämmt. Die Materialien und Verbindungen lassen sich größtenteils rückbauen und recyceln
REUSE - Sehr außergewöhnlich ist die Verwendung gebrauchter (Innentüren, Heizkörper, Sanitärobjekte, Balkongeländer) oder fehlproduzierter Bauteile wie Holzfenster und Fassadenplatten zum Einsatz. Auch Abbruchmaterialien wie Klinker, Wellblech, Schieferplatten sowie Restbestände von Fliesen und Betonplatten wurden verbaut. Die Planung wurde flexibel angelegt und in der Ausführungsphase entsprechend angepasst. Durch die kooperative Ausführung mit verschiedenen Bauteams konnten die reuse-Bauteile effizient und fachgerecht eingebaut werden.
GEMEINSCHAFTLICH - Die private Baugemeinschaft vermietet das Gebäude an eine selbstorganiseirte Hausgemeinschaft, die in Grundrissgestaltung, Ausformulierung der Gemeinschaftsflächen und Bewirtschaftung des Hauses eingebunden war und ist. Die Nutzung der gemeinschaftlichen Dachterrasse mit Nebengebäude und Wäscheraum sapart Wohnfläche / Ressourcen, verbindet die Bewohner:innen und ermöglicht allen "über die eigene Wohnung hinaus" zu wohnen
Beschreibung der Besonderheiten
Das beheizte Volumen des Gebäudes wird durch ein außerhalb der thermischen Gebäudehülle liegendes Treppenhaus verringert. Statt eines ressourcenintensiven Kellergeschosses werden auf dem Dach unbeheizte Räume für gemeinschaftliche Nutzungen wie Waschküche und Trockenboden geschaffen. Im EG bietet ein offener Durchgang Platz für Fahrräder, gemeinschaftliche Werkstatt und Kinderspiel.
Die Grundrisse sind einfach und ermöglichen die flexible Aufteilung der Etagen in mehrere Wohnbereiche über außen liegende Balkone und Laubengänge. Ein zentraler Erschließungsstrang versorgt pro Etage 2 Bäder und 2 Küchen. Eingangsbereich und Dachterrasse bieten vielfältige Nutzungsmöglichkeiten für die Hausgemeinschaft (Abstellraum, Waschmaschinen, Gästezimmer) und Ausbauoptionen für die Mieter:innen (Sauna, Gewächshaus, Sitzplatz).
REUSE - WIEDERVERWENDEN
Durch die CO2-reduzierte Bauweise und die Verwendung gebrauchter oder fehlproduzierter Bauteilen konnte gegenüber einer konventionellen Bauweise eine signifikante Ressourcen- und CO2-Reduktion erreicht werden. Diese beträgt gem. FH Erfurt 92 Tonnen CO2 durch die Bauweise plus 31 Tonnen durch Reuse-Bauteile.
Die Fassaden bestehen zu 100% aus aussortierten Faserzementplatten, gebrauchten Wellblechtafeln, Schieferschindeln und Klinker vom benachbarten Sudhaus. Die Hälfte der Holzfenster stammen von einem nie realisierten Projekt. Alle Balkongeländer sind gebrauchte Stahlgeländer, die geringfügig maßlich angepasst wurden. Gebrauchte Sanitärobjekte, Heizkörper und Innentüren wurden gereinigt und im Innenausbau weiterverwendet. Restbestände an unterschiedlichen Fliesen wurden collagenartig zu zeitgemäßen Bädern kombiniert werden.
KOOPERATIV BAUEN - GEMEINSCHAFTLICH WOHNEN
Der Umgang mit diesen wiederverwendeten Bauteilen erfordert auch ein vertrauensvolles und kooperatives Verhältnis zwischen Bauherrschaft und ausführenden Firmen. Für den unkonventionellen Einbau gebrauchter Bauteile sind viele Arbeiten von Bauteams auf Stundennachweis ausgeführt worden. Durch die frühzeitige und partnerschaftliche Einbindung der Bauteams in den Planungs- und Bauprozess konnte die Einhaltung der Baukosten und eine hohe handwerkliche Qualität der Ausführung gesichert werden.
Die Baugruppe U10 hat das gesamte Haus an eine Gruppe von Menschen vermietet, die hier gemeinschaftlich wohnen. Alle Bewohner:innen bilden eine Hausgemeinschaft, die die gemeinschaftlich genutzten Flächen und Räume eigenverantwortlich organisiert und verwaltet. Durch selbstverwaltete Übernahme von Hausmeistertätigkeiten, Reinigung und Gartenpflege durch die Gruppe werden Miet-Nebenkosten reduziert und die Identifikation mit dem Haus gestärkt. Sie haben ein Mitbestimungsrecht bei Mieterwechsel, der Wohnungsaufteilung und der Nutzung von Gemeinschaftsraum und Dachterrasse. Eine offene Holzkonstruktion bietet hier Möglichkeiten zum weiteren selbstständigen Ausbau und Aneignung durch die Mieter:innen: für Sauna, Gewächshaus oder als überdachte Sitzlandschaft.
Nachhaltigkeit
- Decken, Balkone und Wände Massivholz CLT
- Dachdämmung Holzfaserdämmung
- Holzfenster, wettergeschützt durch auskragend Balkone
- Bodenbeläge Vollholzparkett
- Innenwände GK mit Holz-UK und Holffaserdämmung
- EG Lehmputz auf Mauerwerk
zusätzlich minimierter CO2-Fußabdruck durch Verwendung gebrauchter und fehlproduzierter Bauteile (Reuse)
- Rohbau: Recyclingschotter, Klinkerfassade 100% Reuse
- Holzfenster 50% Reuse
- Dachdeckung Balkone und Nebengebädue DG: Wellblech 100% Reuse
- Fassadenplatten: Faserzement 100% Reuse
- Schlosser Balkon- und Terrassengeländer , Eingangstor 100% Reuse
- Innentüren 50% Reuse
- Fliesen 100 % Reuse
- Heizkörper 100 % Reuse
- Sanitärobjekte 100 % Reuse
Ökobilanz / Untersuchung FH Erfurth
Durch die CO2-reduzierte Bauweise und die Verwendung gebrauchter oder fehlproduzierter Bauteilen konnte gegenüber einer konventionellen Bauweise eine signifikante Ressourcen- und CO2-Reduktion erreicht werden. Diese beträgt gem. FH Erfurt 92 Tonnen CO2 durch die Bauweise plus 31 Tonnen durch Reuse-Bauteile.
Der errechnete CO2-Fußabdruck liegt bei 13,64 kgCO2äq/qm NRFa und damit Bereich Premium für Ökobilanz
Cradle to Cradle
Zusätzlich zu der Weiterverwendung von Bauteilen, die normalerweise weggeworfen werden, sind die konstruktiven Verbindungen weitestgehen reversibel, so dass sie im Falle eines Rückbaus wieder getrennt werden können. Beispielsweise auch der Treppentrum aus verschraubten Stahlbauteilen gegenüber einer konventionellen Ausführung in Stahlbeton
Effizienz im Betrieb
Hoher Dämmstandard KfW 55
Fernwärme mit hohem Anteil regenerativer Energie
Solarthermie unterstützt Heizung und Warmwasser (Anteil ca 40%)
Regenwassernutzung für Toiletten und Gartenbewässerung
Schlagworte
Energetische Kennwerte
Energiestandard
Energetische Kennwerte
Primärenergie
Fernwärme
Sekundärenergie
Solarthermie
Energetische Kennwerte
Primärenergiebedarf ("Gesamtenergieeffizienz")
13,30 kWh/(m²a)
Heizenergieverbrauchswert
43,00 kWh/(m²a)
Stromverbrauchswert
5,00 kWh/(m²a)
Energiebedarf (Prozentuale Verteilung)
Heizung
60 %
Warmwasser
30 %
Beleuchtung
10 %
Weitere Dokumente zum Objekt
Objektdetails
Das Objekt im Internet
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